FinanzKompass Berlin
Vergleich

ETF vs. Rentenversicherung: Der 20-Jahre-Vergleich

Von Torsten Beier, Geschäftsführer·10. Januar 2025·7 Min. Lesezeit

Viele Berliner sparen monatlich 197 € oder mehr für das Alter, ohne wirklich zu wissen, was nach Steuern und Gebühren übrig bleibt. Wir haben die harten Fakten aus 20 Jahren Markthistorie genommen und zwei Strategien gegeneinander antreten lassen. Zahlen lügen nicht, und das Ergebnis zeigt deutlich, wo die versteckten Kostenfresser sitzen.

Der Versuchsaufbau: Realität statt Hochglanzprospekt

Um diesen Vergleich fair zu gestalten, haben wir uns die Daten eines fiktiven Kunden namens Markus aus Berlin-Charlottenburg angesehen. Markus ist 41 Jahre alt und möchte wissen, ob er sein Geld lieber direkt in ein ETF-Depot steckt oder den Umweg über eine Rentenversicherung (Schicht 3) wählt. Wir haben den Zeitraum vom 1. Februar 2004 bis zum 31. Januar 2024 simuliert. In diesen 20 Jahren gab es Finanzkrisen, Pandemien und Boom-Phasen. Das Startkapital betrug genau 10.450 €, zusätzlich zu einer monatlichen Sparrate von 245 €. Wir rechnen das mal kurz durch, damit Sie sehen, wie sich die Zinseszins-Effekte bei verschiedenen Gebührenstrukturen verhalten.

Ehrlich gesagt, die meisten Bankberater zeigen Ihnen nur die Brutto-Rendite. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. In unserem Modell haben wir beim ETF-Depot eine jährliche Rendite von 6,2 % vor Steuern angenommen, was dem historischen Durchschnitt eines Welt-Portfolios entspricht. Bei der Rentenversicherung haben wir die gleichen zugrunde liegenden Fonds genutzt, aber die Versicherungsmantelkosten von 1,18 % pro Jahr abgezogen. Viele Leute denken, dass diese 1,18 % den Sieg des ETFs zementieren, aber die deutsche Steuergesetzgebung hat hier ein paar Besonderheiten parat, die man kennen muss, bevor man sein Kreuz bei einem Vertrag macht.

In unserer Analyse haben wir auch die Transaktionskosten berücksichtigt. Beim privaten Depot fallen oft Ordergebühren von etwa 4,95 € pro Kauf an, während die Versicherung diese Kosten meist in ihrer Verwaltungspauschale versteckt. Seit September 2013 haben wir bei FinanzKompass Berlin über 423 solcher Vergleiche für unsere Klienten durchgeführt. Dabei fällt auf: Wer nur auf die Kosten schaut, vergisst oft die Flexibilität. Ein ETF-Depot kann man jederzeit plündern, was eine Gefahr für die Altersvorsorge sein kann. Eine Versicherung hingegen bindet das Kapital stärker, was psychologisch beim langfristigen Vermögensaufbau helfen kann.

Ihr Netto gehört Ihnen, deshalb müssen wir die Steuerlast auf den letzten Cent genau berechnen.

Die Steuerfalle beim ETF-Depot

Das klassische Depot bei einer Online-Bank klingt erst mal unschlagbar günstig. Keine Abschlusskosten, minimale laufende Kosten. Aber der Fiskus feiert jedes Jahr mit. Jedes Mal, wenn Sie einen Fondsanteil verkaufen oder Dividenden ausgeschüttet werden, greift die Abgeltungssteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag. In unserem 20-Jahre-Szenario hat Markus insgesamt 58.800 € eingezahlt. Nach zwei Jahrzehnten ist sein Depot auf stolze 142.340 € angewachsen. Das Problem: Davon sind fast 83.540 € reiner Gewinn. Wenn er dieses Geld nun für den Ruhestand entnehmen will, möchte das Finanzamt einen großen Schluck aus der Pulle.

Wir haben ausgerechnet, dass Markus bei einer Komplettauszahlung des Depots nach heutigem Recht etwa 15.340 € an Steuern zahlen müsste (unter Berücksichtigung der Teilfreistellung von 30 % bei Aktienfonds). Das reduziert sein verfügbares Kapital sofort. Ein weiterer Punkt ist die jährliche Vorabpauschale. Seit 2018 müssen Anleger Steuern auf noch gar nicht realisierte Gewinne zahlen, wenn der Basiszins positiv ist. Das hat 2024 viele Anleger kalt erwischt, die plötzlich 340 € oder mehr an Steuern auf ihrem Verrechnungskonto vorhalten mussten. Das bremst den Zinseszins-Effekt spürbar aus, auch wenn es auf den ersten Blick klein wirkt.

Wer sein Depot aktiv managt und vielleicht alle 4 Jahre die Strategie anpasst, zahlt bei jedem Verkauf sofort Steuern. Das nennt man den Steuerstundungseffekt – oder eben das Fehlen desselben. Wenn Sie 1.000 € Gewinn machen und sofort 263,75 € abgeben, können diese 263,75 € in den nächsten 16 Jahren keine Zinsen mehr für Sie erwirtschaften. (Kleine Anmerkung: Die Vorabpauschale nervt zwar, zerstört aber nicht Ihre Rendite komplett, solange man sie einplant). Dennoch summiert sich dieser Verlust über 20 Jahre auf eine Summe, die wir bei FinanzKompass Berlin oft als 'verschenktes Hausauto' bezeichnen.

Die Steuerfalle beim ETF-Depot

Der Versicherungsmantel: Teuer, aber steuerintelligent?

Jetzt schauen wir uns die Rentenversicherung an. Ja, die Gebühren sind höher. Wir haben bei einem gängigen Berliner Anbieter eine Police gefunden, die 1,18 % pro Jahr kostet. Das klingt nach viel Holz. Aber: Innerhalb der Versicherung fallen keine Steuern an, solange das Geld im Vertrag bleibt. Markus kann seine Fonds so oft wechseln, wie er will, ohne dass das Finanzamt auch nur einen Cent sieht. Das gesamte Kapital arbeitet 20 Jahre lang ungestört weiter. Das ist die sogenannte Bruttopolice. Erst bei der Auszahlung wird es interessant. Hier greift das Halbeinkünfteverfahren, wenn Markus mindestens 62 Jahre alt ist und der Vertrag 12 Jahre lief.

Das bedeutet: Nur die Hälfte der Gewinne wird mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz besteuert. Da Markus im Ruhestand wahrscheinlich weniger verdient als heute, ist sein Steuersatz niedriger – nehmen wir mal 28 % an. In unserem 20-Jahre-Vergleich führt das dazu, dass die Versicherung trotz der höheren Gebühren bei der Endsumme fast gleichauf liegt. Der Vorsprung des ETFs schmilzt von anfänglich 18.400 € auf nur noch 3.240 € Differenz nach Steuern zusammen. Das ist ein erstaunliches Ergebnis, das viele unserer Kunden am Kurfürstendamm 214 jedes Mal aufs Neue überrascht, wenn wir die Excel-Tabelle öffnen.

Ein oft ignorierter Vorteil der Versicherung ist die garantierte Rentenoption. Markus kann sich entscheiden, das Geld nicht auf einmal zu nehmen, sondern eine lebenslange Rente zu beziehen. Diese wird dann nur mit dem Ertragsanteil besteuert. Bei einem Rentenbeginn mit 67 Jahren sind das nur 17 %. Wenn Markus also 94 Jahre alt wird – was wir ihm sehr wünschen – hat die Versicherung das Depot längst überholt, weil das Geld im Depot irgendwann leer ist, während die Versicherung weiter zahlt. Wir sagen immer: Keine Luftschlösser, nur Fakten. Die Versicherung ist eine Wette auf ein langes Leben, das Depot eine Wette auf maximale Flexibilität.

Wer 20 Jahre lang keine Steuern auf Gewinne zahlt, lässt den Zinseszins für sich arbeiten wie eine gut geölte Maschine.

Die versteckten Fallstricke bei der Fondsauswahl

Ein kritischer Punkt bei Versicherungen ist oft die begrenzte Fondsauswahl. Viele alte Verträge aus den Jahren 2008 oder 2012 erlauben nur teure, aktiv gemanagte Fonds mit Ausgabeaufschlägen von bis zu 5,2 %. Das ist Gift für Ihre Rendite. Wir prüfen bei FinanzKompass Berlin immer zuerst die 'Liste der zulässigen Vermögenswerte'. Moderne Tarife erlauben heute fast alle gängigen ETFs, was die Gesamtkostenquote drastisch senkt. Wenn Sie in Ihrer Versicherung nur teure Bankfonds haben, verlieren Sie gegen das private Depot haushoch, egal wie groß der Steuervorteil ist. Da müssen wir ehrlich sein: Ein schlechter Vertrag bleibt ein schlechter Vertrag.

Wir haben im Juli 2024 die Verträge von 34 Neukunden analysiert. Bei 26 davon war die Fondsauswahl so mangelhaft, dass ein Wechsel der Strategie innerhalb des Vertrages sofort 0,84,4 % Mehrrendite pro Jahr brachte. Das klingt wenig, aber auf 20 Jahre reden wir hier von Beträgen zwischen 11.400 € und 28.900 €. Es ist also nicht die Frage 'ETF oder Versicherung', sondern 'Welche Kostenstruktur in welcher Hülle'. Ihr Netto gehört Ihnen, und Sie sollten es nicht den Fondsgesellschaften schenken, nur weil der Berater eine hübsche Mappe zusammengestellt hat.

Zahlen lügen nicht: Ein Depot ist für Menschen, die Disziplin haben und die Steuererklärung nicht scheuen. Die Versicherung ist für diejenigen, die Ruhe wollen und den Steuervorteil am Ende mitnehmen möchten. In unserem 20-Jahre-Check lag das ETF-Depot nach Steuern bei 127.000 €, während die Versicherung bei 123.760 € landete. Die Differenz von 3.240 € ist der Preis für die Versicherung gegen das Langlebigkeitsrisiko und den Komfort der Steuerautomatik. Ob Ihnen das 162 € pro Jahr wert ist, müssen Sie selbst entscheiden. Wir helfen Ihnen nur dabei, die Rechnung ohne Emotionen zu machen.

Die versteckten Fallstricke bei der Fondsauswahl

Fazit: Wann sich was für Berliner Sparer lohnt

Am Ende kommt es auf Ihre Lebensplanung an. Wenn Sie planen, in 7 Jahren eine Immobilie in Brandenburg zu kaufen, ist die Rentenversicherung die falsche Wahl. Die Abschlusskosten in den ersten 5 Jahren würden Ihre Rendite auffressen. Hier ist das Depot der klare Sieger. Wenn Sie aber wirklich für die Zeit nach dem 67. Geburtstag vorsorgen und die staatliche Rente nur als Basis sehen, bietet der Versicherungsmantel eine Planbarkeit, die ein Depot nicht leisten kann. Wir haben seit September 2013 festgestellt, dass Kunden mit Versicherung seltener in Panik verkaufen, wenn die Kurse mal um 19 % einbrechen.

Unser Rat: Nutzen Sie beides. Eine solide Basis in einem kostengünstigen Versicherungstarif mit 99.7 % ETF-Quote für die lebenslange Sicherheit, und ein privates Depot für die Träume, die Sie sich mit 55 oder 60 erfüllen wollen. So nutzen Sie den Steuervorteil und behalten trotzdem die Freiheit, jederzeit auf einen Teil Ihres Geldes zuzugreifen. Wir rechnen das gerne mit Ihren individuellen Zahlen durch. Kommen Sie einfach mal bei uns am Kudamm vorbei, wir haben auch ordentlichen Kaffee. Ein Termin dauert meist 47 Minuten und danach sehen Sie klarer, wo Ihr Geld eigentlich hinfließt.

Abschließend lässt sich sagen: Es gibt keine Einheitslösung. Wer Ihnen das verspricht, lügt. Die Welt der Finanzen ist trocken und besteht aus Plus und Minus. Wir bei FinanzKompass Berlin sorgen dafür, dass am Ende mehr Plus für Sie übrig bleibt. Seit unserer Gründung haben wir gesehen, dass die informierten Kunden diejenigen sind, die am ruhigsten schlafen. Nehmen Sie sich die Zeit, vergleichen Sie die Kostenquoten bis auf die zweite Nachkommastelle. Es ist Ihr Geld, und niemand wird sich so sehr darum kümmern wie Sie selbst – außer vielleicht wir, wenn Sie uns lassen.